Rebellion im Teenager-Gehirn?

Die Pubertät

In den westlichen Industriegesellschaften wird allgemein angenommen, dass die jugendliche Rebellenphase, die Pubertät, zur menschlichen Entwicklung dazugehört. Die sogenannte Adoleszenz ist jedoch kein Phänomen, welches in allen Kulturkreisen auftritt.

Die Anthropologin Alice Schlegel (Univerity of Arizona) und der Psychologe Herbert Barry (University of Pittsburgh) kamen 1991 in einer Studie in 186 vorindustriellen Gemeinschaften zu folgenden Ergebnissen:

Im Gegensatz dazu stehen die Tatsachen in den Industrienationen. Beispielsweise ergab eine Bremer Jugendstudie aus den Jahren 1996 bis 1998, dass Depressionen und Angststörungen bereits bei ca. 18 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren auftreten. Suizid ist bei deutschen Teenagern die zweithäufigste Todesursache (nach Unfällen). Eine Studie aus den USA aus dem Jahr 2004 ergab, dass von allen Menschen über 17 Jahren die 18-jährigen die höchste Depressionsrate aufwiesen.

In den vorindustriellen Kulturen werden den Jugendlichen frühzeitig Verantwortung und Aufgaben übertragen. Sie sind in die Welt der Erwachsenen integriert.
In den Industrieländern hingegen werden die Jugendlichen 'infantilisiert'. Ihre Adoleszenz wird künstlich verlängert, sie werden entmündigt und blockiert. Die Ausbildungszeiträume werden immer länger, oft wird eine finanzielle Selbstständigkeit erst mit dreißig Jahren und mehr erreicht. Außerdem lebt eine riesige Industrie von den Jugendlichen. Bedürfnisse werden geschürt, sei es die Markenkleidung, das neueste Handy, die angesagteste Musik, Zeitvertreib im Allgemeinen. Angefeuert werden die Bedürfnisse der Jugendlichen neben geschicktem Marketing durch Rollenvorbilder aus den Medien und durch den Gruppendruck Gleichaltriger.

"Heutzutage sind Jugendliche in der Welt der Gleichaltrigen gefangen. Sie lernen das meiste, was sie wissen, von anderen Teenagern, und nicht von Erwachsenen - die sie doch schon bald selbst werden sollen. Isoliert von älteren Vorbildern und fälschlicherweise wie Kinder behandelt, ist es kein Wunder, dass viele Jugendliche sich unbesonnen oder verantwortungslos benehmen." (Quelle: Gehirn & Geist S. 29)

Gehirn und Pubertät

Es herrschen widersprüchliche Aussagen in Wissenschaftlerkreisen über das Phänomen 'Pubertät'. Manche sehen die Ursache für das pubertäre Verhalten der Jugendlichen in ihrem noch unreifen Gehirn. Andere meinen, dass nicht das Gehirn das Verhalten verändert, sondern dass das Verhalten der Jugendlichen ihr Gehirn verändert.
"Das Gehirn erzeugt nicht den Aufruhr - es spiegelt diesen lediglich wieder!" (Quelle: Gehirn & Geist S. 28)

Rein biologisch gesehen könnten Jugendliche Großes leisten. Im Alter von 12 Jahren verfügen wir über die höchste Leistungsfähigkeit. Danach nimmt sie bis zum Ende unseres Lebens ab. Das logische Denken und das Moralempfinden sind vor dem 20. Lebensjahr voll entwickelt. In Testverfahren erzielten Teilnehmer im Alter zwischen 13 und 15 Jahren die höchsten Werte (John Carlyle Raven, David Wechsler, 1930er Jahre, Intelligenzforschung). Schnelle Auffassungsgabe und gute kognitive Fähigkeiten zeichnen Jugendliche im Normalfall aus. Im Alter von 14 Jahren ist unser Gehirnvolumen am größten. Im Alter von 70 Jahren wird es ungefähr auf die Größe eines Dreijährigen zurückgegangen sein. (Eric Courchesne, Univerity of Californai in San Diego).

Es geht nicht darum, dass Jugendliche schalten und walten sollten, wie sie möchten, sondern dass sie entsprechend ihres Entwicklungsstandes Verantwortung für Bereiche ihres Lebens übernehmen dürfen. Beispiele dafür sind Vereine, Verbände, Familie, Schule. Untersuchungen haben gezeigt, wenn man Jugendliche erwachsener behandelt, sie ernst nimmt und ihnen Verantwortung überträgt, sie sich diesen Anforderungen durchaus gewachsen zeigen.

Quelle: Gehirn & Geist 1-2/2008, Robert Epstein, Diane Dumas, Seite 24 bis 29 (Robert Epstein ist promovierter Psychologe und Gründungsdirektor des Cambridge Center for Behavioral Studies in Concord, Massachusetts.) www.howadultareyou.com (Epstein-Dumas Test of Adultness, EDTA)

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