Ich-Stärke und Leistungsvertrauen von Jugendlichen

Die AIDA-Studie (Adaption in der Adoleszenz)

Die Schule soll nicht nur fachliches Wissen vermitteln, sondern auch die psychosoziale Entwicklung der Schüler fördern. Die Studie AIDA (Adaption in der Adoleszenz) sammelte Daten von ca. 3000 Schülern der Klassenstufen 7 bis 9 (Haupt-, Real-, Gymnasium- und Gesamtschüler) aus 100 Schulen in Ost- und Westberlin im Alter von 12 bis 15 Jahren, um dies zu überprüfen.
(Quelle: "Psychologie Heute" Heft Oktober 2012, Seite 8/9, Autorin: Susie Reinhardt)

In der Studie wurde geprüft, wie die Persönlichkeitsentwicklung der Heranwachsenden verläuft und inwieweit die Schule ihnen dabei dienlich ist. Die für die Studie herangezogenen Komponenten waren die "Ich-Stärke" und das "Leistungsvertrauen" der Schüler.

Ich-Stärke: positives Selbstbild, Kompetenzbewusstsein, psychische Stabilität

Leistungsvertrauen: Leistungszuversicht, Erfolgszuversicht, Wertschätzung schulischer Leistungen

Ergebnis der Studie

Ich-Stärke: ca. 60% der Schüler: mittlere Ausprägung dieser Komponente, geringe Ausprägung bei ca. 1/4 der Schüler

Leistungsvertrauen:ca. 3/4 der Schüler schnitten schlecht ab, nur 1/4 hatte ein hohes Leistungsvertrauen in sich

Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen:

Ich-Stärke: Wie auch schon in früheren Forschungsarbeiten zeigte sich: Mädchen sind generell weniger Ich-stark als Jungen. Ihr Selbstbild hängt stark vom Urteil anderer ab. Sie brauchen in stärkerem Maß "... Zuwendung, Anerkennung und Liebe wichtiger Personen, um sich als wertvoll und liebenswert einschätzen zu können." (Renate Valtin). Jungen benötigen weniger sozialen Rückhalt, um ein gutes Selbstwertgefühl zu haben, sie sind unabhängiger.

Leistungsvertrauen: Auch hier schneiden Mädchen insgesamt schlechter ab, sind allerdings weniger auf die Meinung anderer angewiesen als Jungen. "Für Jungen sind andere Personen, in stärkerem Maße als dies bei Mädchen der Fall ist, bedeutsam für die Einschätzung ihrer Leistungsfähigkeit und Erfolgszuversicht." (Renate Valtin).

Bedeutung der Schule bei dieser Entwicklung

Die Herausbildung der beiden überprüften Komponenten "Ich-Stärke" und " Leistungsvertrauen" hängt nicht von der Schule, sondern von den Erfahrungen im Elternhaus ab. Über 80% der Schüler empfand sich als familiär geborgen. Der zweitwichtige Aspekt ist die Klassengemeinschaft.

Johannes König: "Das erlebte Engagement der Lehrer wirkt sich auf die Entwicklung der Ich-Stärke und des Leistungsvertrauens der Schüler aus." Die Lehrer müssen mehr Engagement für ihre Schüler zeigen und sich wirklich für die Probleme der Jugendlichen interessieren. In der Klassenstufe 7 glauben ca. 50% der Jugendlichen, dass die Lehrer ehrlich an ihnen und ihrer Entwicklung interessiert sind, in der Klassenstufe 9 glauben dies nur noch 38%.


Studie: Johannes König, Christine Wagner, Renate Valtin: Jugend, Schule, Zukunft, Psychosoziale Bedingungen der Persönlichkeitsentwickung. Ergebnisse der Längsschnittstudie AIDA, Waxmann, Münster 2011

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